Die Entwicklung biobasierter Additiv-Alternativen gewinnt in der Motorenölbranche zunehmend an Bedeutung, da neben der technischen Leistungsfähigkeit auch Nachhaltigkeit und Umweltaspekte stärker in den Fokus rücken. Der Einsatz erneuerbarer Rohstoffe bietet die Möglichkeit, den CO₂-Fußabdruck von Additivpaketen messbar zu verbessern und gleichzeitig die steigenden ESG-Ziele (ESG= Umweltsoziales-Unternehmungsführung) aktiv einhalten zu können.
Unter biobasierten Elementen versteht man allgemein Stoffe, Moleküle oder Materialbestandteile, deren Kohlenstoff aus nachwachsenden biologischen Rohstoffen stammt und nicht aus fossilen Quellen wie Erdöl, Erdgas oder Kohle.
Entscheidend ist also nicht die Funktion, sondern der Ursprung des Kohlenstoffs.
Diese biobasierte Additiv-Alternativen in Motorenölen werden vor allem aus pflanzlichen Ölen wie Raps- oder Sojaöl sowie aus Tallöl, einem Nebenprodukt der Holzverarbeitung, gewonnen.
Diese Rohstoffe enthalten Fettsäuren (Triglyceride), die als chemische Grundlage dienen. Da natürliche Öle für den direkten Einsatz im Motor ungeeignet sind, werden sie gezielt chemisch weiterverarbeitet. So entstehen thermisch stabile, oxidationsbeständige Ester Strukturen mit biogenem Kohlenstoff, die technisch mit ursprünglich verwendeten Additiven vergleichbar sind.
In Motorenölen wirken diese biobasierten Ester hauptsächlich als Reibungsmodifikatoren.
Durch ihre polare Molekülstruktur lagern sie sich an Metalloberflächen an und bilden eine dünne Schutzschicht, die Reibung reduziert, besonders bei dünnem Schmierfilm, wie er beim Kaltstart oder im Mischreibungsbereich auftritt. (siehe Quelle Tribology Letters und Sciencedirect)
Ihre Stärke liegt in der guten Grenzflächenwirkung und der verbesserten Nachhaltigkeitsbilanz. In stark belasteten Hochdruckkontakten ersetzen sie klassische Verschleissschutzadditive jedoch meist nicht vollständig, sondern werden als leistungsfähige Ergänzung im Additivpaket eingesetzt.
Biobasierte Lösungen in der Motorenölbranche beziehen sich nicht immer auf ein einzelnes Additivmolekül, sondern häufig auf eine gesamte Formulierungsarchitektur, die es ermöglicht, erneuerbare Rohstoffe in ein voll leistungsfähiges, OEM-freigegebenes Motoröl zu integrieren. Dabei werden beispielsweise biobasierte Ester oder andere „renewable feedstock derived“-Komponenten gezielt so in das Additivpaket eingebunden, dass alle technischen Anforderungen weiterhin erfüllt werden, von Verschleissschutz über Oxidationsstabilität bis hin zu Emissionssystem-Kompatibilität.
Ein konkretes Beispiel ist ein von Infineum (Quelle: Infineum Insight; Infineum) beschriebenes Additivpaket, das die Formulierung eines SAE 0W-20 Motoröls mit biobasierten Materialien ermöglicht und dabei gleichzeitig API- und ACEA-Spezifikationen sowie OEM-Freigaben erfüllt.
Ziel solcher Konzepte ist es, Nachhaltigkeit und CO₂-Reduktion in die bestehende Motoröltechnologie zu integrieren, ohne Kompromisse bei Performance, Haltbarkeit oder Normerfüllung einzugehen. Erreicht wird dies durch eine abgestimmte Kombination aus klassischen Hochleistungsadditiven und ausgewählten biobasierten Komponenten innerhalb eines validierten, serienfähigen Additivsystems.
Biobasierte Polymer- beziehungsweise Kälteadditive wie etwa moderne Pour Point Depressants (PPD), basieren teilweise auf nachwachsenden Rohstoffen. Als Ausgangsstoffe dienen häufig pflanzliche Öle wie Raps- oder Sojaöl oder daraus gewonnene Fettsäuren. Diese biogenen Rohstoffe liefern langkettige Alkylstrukturen, die anschließend chemisch weiterverarbeitet werden. Der Kohlenstoff stammt somit ganz oder teilweise aus Biomasse und nicht aus fossilen Quellen.
Eingesetzt werden diese Additive in Motorenölen, um das Tieftemperaturverhalten zu verbessern. Sie beeinflussen die Bildung und das Wachstum von Paraffinkristallen im Öl und verhindern, dass sich große, starre Kristallstrukturen ausbilden.
Dadurch bleibt das Öl bei niedrigen Temperaturen besser pump- und fließfähig – eine entscheidende Eigenschaft für moderne 0W- oder 5W-Motorenöle, insbesondere beim Kaltstart. Die Stärke dieser biobasierten Polymeradditive liegt somit in ihrer funktionalen Gleichwertigkeit zur konventionellen Technologie bei gleichzeitig verbesserter Nachhaltigkeitsbilanz.
Sie ermöglichen eine schrittweise Defossilierung bestehender Additivsysteme, ohne Kompromisse bei Performance oder OEM-Anforderungen eingehen zu müssen.
BASF beschreibt außerdem grundsätzlich „renewable raw materials“ im Fuel & Lubes Portfolio. (Quelle: BASF)



| Forschung | Rohstoffbasis | Funktion | Grund | Quellenangabe |
Fraunhofer IVVBiobasierte Verschleissschutzadditive (WearAble) |
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Was bewirken sie konkret?Sie reagieren unter Druck und Temperatur an der Oberfläche und erzeugen einen dünnen Schutzfilm, der direkten Metallkontakt verhindert, ähnlich wie klassische AW-Additive (z. B. ZDDP). Warum relevant?Motoren arbeiten häufig im Grenzreibungsbereich (Kaltstart, Stop-Start). Hier entscheidet die Filmchemie über Lebensdauer. |
https://www.ivv.fraunhofer.de/de/recycling-umwelt/biobasierte-additive/forschungsprojekt-wearable.html |
Fraunhofer IVVOxidationsschutz-Additive für Bio-Schmierstoffe |
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Was bewirken sie konkret?Sie unterbrechen radikalische Kettenreaktionen im Öl und verhindern, dass das Schmiermittel bei hohen Temperaturen chemisch abbaut. Warum relevant?Moderne Downsizing- und Hybridmotoren erzeugen hohe thermische Belastung. |
https://www.ivv.fraunhofer.de/de/recycling-umwelt/biobasierte-additive/bio-schmierstoffadditiv.html |
Fraunhofer IVVMultifunktionale Additive in Schmierstoffanwendungen |
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Was bewirken sie konkret?Ein einziges Molekül kann mehrere Additivfunktionen übernehmen, wodurch Additivpakete vereinfacht werden können. Warum relevant?Reduktion der Komplexität, bessere Synergien, höherer biogener Anteil. |
https://www.ivv.fraunhofer.de/de/recycling-umwelt/biobasierte-additive/multifunktionale-additive.html |
Fraunhofer UMSICHTPHAt (Natürliche Verdickungsmittel) |
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Was bewirken sie konkret?Sie ersetzen fossile Polymerverdicker und sorgen für strukturelle Stabilität, besonders in Schmierfetten. Warum relevant?Ermöglicht vollständig biobasierte Schmierstoffsysteme. |
https://www.umsicht.fraunhofer.de/de/projekte/phat-natuerliche-verdickungsmittel.html |
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) |
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Je nach Projekt:
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Was bewirken sie konkret?Die geförderten Projekte entwickeln biobasierte Additive, die Reibung reduzieren, Verschleiß mindern und Oxidation verlangsamen. Ziel ist es, funktional gleichwertige Alternativen zu fossilen Additiven bereitzustellen. Warum relevant?Sie schaffen die wissenschaftliche und technische Grundlage, um nachhaltige Additive in leistungsfähige, normgerechte Schmierstoffsysteme zu integrieren. |
https://bioschmierstoffe.fnr.de/projekte/projektuebersicht |
Sustainable Lubricants Committee (SLC) |
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Was bewirken sie konkret?Entwicklung nachhaltiger Schmierstoff- und Additivsysteme, die fossile Kohlenstoffquellen teilweise ersetzen, ohne tribologische und thermische Leistungsfähigkeit zu verlieren. Warum relevant?Defossilisierung wird regulatorisch und wirtschaftlich zunehmend entscheidend – Performance muss dabei erhalten bleiben. |
https://sustainable-lubricants.com/ |
BASF. (kein Datum). Fuel and Lubricant Solutions. Sustainability. Von https://fuel-and-lubricants.basf.com/global/en/key-topics/sustainability/ abgerufen
BASF. (kein Datum). Pour Point Depressant Additives. Effective solutions to meet your low temperature targets. Von https://fuel-and-lubricants.basf.com/global/en/portfolio/lubricant-components/pour-point-depressants/ abgerufen
Committee, D. S. (kein Datum). Das Sustainable Lubricants Committee. Von https://sustainable-lubricants.com/ abgerufen
Effect of Molecular-Scale Features on the Polymer Coil Size of Model Viscosity Index Improvers. (kein Datum). Tribology Letters. Von https://link.springer.com/article/10.1007/s11249-016-0672-0 abgerufen
Experimental study of cavitation damage on hydrogen-terminated and oxygen-terminated diamond film surfaces. (kein Datum). Von https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0043164807002311?via%3Dihub abgerufen
FNR. (kein Datum). Projekte Themenfeld Bioschmierstoffe. Von https://bioschmierstoffe.fnr.de/projekte/projektuebersicht abgerufen
Friction Modifier Additives. (kein Datum). Tribology Letters. Von https://link.springer.com/article/10.1007/s11249-015-0589-z abgerufen
IVV, F. (kein Datum). Biobasierte Oxidationsschutz-Additive für Schmierstoffbasisflüssigkeiten. Von https://www.ivv.fraunhofer.de/de/recycling-umwelt/biobasierte-additive/bio-schmierstoffadditiv.html abgerufen
IVV, F. (kein Datum). Biobasierte Verschleißschutzadditive für nachhaltige Schmierstoffsysteme. Von https://www.ivv.fraunhofer.de/de/recycling-umwelt/biobasierte-additive/forschungsprojekt-wearable.html abgerufen
IVV, F. (kein Datum). Multifunktionale Additive auf Basis von sekundären Pflanzenstoffen für Schmierstoffanwendungen. Von https://www.ivv.fraunhofer.de/de/recycling-umwelt/biobasierte-additive/multifunktionale-additive.html abgerufen
limited, I. I. (kein Datum). Infineum Insight. Designing more sustainable lubricants. Von https://www.infineuminsight.com/en-gb/articles/designing-more-sustainable-lubricants/ abgerufen
Transportation, S. (kein Datum). Infineum News. Introducing Infineum P6895A: Leading the way in lubricant innovation for hybrid vehicles. Von Infineum: https://www.infineum.com/media-centre/news/introducing-infineum-p6895a-leading-the-way-in-lubricant-innovation-for-hybrid-vehicles/ abgerufen
UMSICHT, F. (kein Datum). PHAt: Natürliche Verdickungsmittel für abbaubare Schmierstoffe. Von https://www.umsicht.fraunhofer.de/de/projekte/phat-natuerliche-verdickungsmittel.html abgerufen
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