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16. September 2026

Basisölmarkt 2026: Geteilte Entwicklung bei Group I, II und III

Basisölmarkt 2026: Geteilte Entwicklung bei Group I, II und III

Grafik 1: Qualitative Einordnung des Preis- und Versorgungsrisikos auf Basis der Marktinformationen für Juli/August 2026.

Management Summary

Der internationale Basisölmarkt zeigt im Sommer 2026 kein einheitliches Preisbild. Die Marktsegmente entwickeln sich auseinander: Group I hat sich nach der starken Aufwärtsbewegung des Frühjahrs leicht beruhigt, Group II ist vergleichsweise gut verfügbar, während Group III und insbesondere Group III+ von einer ausgeprägten physischen Knappheit geprägt bleiben.

Für Schmierstoffhersteller, Blender, Händler und industrielle Einkäufer ist deshalb eine nach Basisölgruppe getrennte Einkaufsstrategie entscheidend. Ein pauschaler Satz wie „Basisöle werden teurer“ greift zu kurz. Bei Group I und II bestehen Verhandlungsspielräume; bei Group III können Allocation, Wartungsstillstände und verzögerte Importströme die Lieferfähigkeit gefährden.

Basisölgruppe

Marktlage Sommer 2026

Preisrisiko

Empfohlene Haltung

Group I

etwas entspannter, Angebot begrenzt

mittel

normal bis defensiv einkaufen

Group II

vergleichsweise ausgeglichen

mittel

Angebote aktiv vergleichen

Group III

massive Knappheit

sehr hoch

Mengen und Termine absichern

Group III+

besonders knapp

extrem hoch

höchste Versorgungspriorität

ACTROM BEWERTUNG:  Nicht der niedrigste Spotpreis, sondern die gesicherte Verfügbarkeit der freigegebenen beziehungsweise formulierungstechnisch zulässigen Qualität bestimmt bei Group III den wirtschaftlichen Erfolg.

Ausgangslage: Ein ungewöhnlicher Sommermarkt

In Europa schwächt sich die Nachfrage während Juli und August normalerweise saisonal ab. 2026 wird dieser Effekt jedoch von Angebotsproblemen, geopolitischen Störungen, höheren Logistikkosten und geplanten Wartungsstillständen überlagert. Deshalb führen geringere Sommerabrufe nicht automatisch zu einer nachhaltigen Marktentspannung.

Besonders relevant ist die geschätzte globale Group-III-Unterversorgung von rund 1,5 Mio. Tonnen im Jahr 2026. Eine spürbare Normalisierung wurde im betrachteten Marktumfeld erst gegen Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet. Diese Zahl ist als Marktabschätzung und nicht als garantierte Produktionsbilanz zu verstehen.

Group I: SN150, SN500 und Bright Stock

SN150 – saisonaler Preisdruck ohne echte Überversorgung

SN150 blieb im europäischen Markt grundsätzlich fest. Im Juli setzte leichter Preisdruck ein, weil Schmierstoffhersteller vor der Ferienperiode weniger einkauften. Entscheidend ist die Ursache: Die Preisbewegung entstand primär durch eine vorübergehend schwächere Nachfrage, nicht durch ein plötzlich grosses Überangebot.

SN500 – schwere Qualitäten bleiben fester

Bei SN500 war die Lage ähnlich, wobei schwere Group-I-Qualitäten tendenziell knapper blieben als leichte Viskositäten. Die Preise wurden durch reduzierte europäische Produktion, hohe Dieselmargen, begrenzte Spotmengen, eingeschränkte Importmöglichkeiten und hohe Frachten gestützt.

Bright Stock – strukturell kritische Verfügbarkeit

Bright Stock bleibt strategisch relevant, weil weltweit klassische Group-I-Raffinerien geschlossen oder umgebaut wurden. Damit sinkt zugleich die Produktion dieser hochviskosen Komponente. Besonders betroffen sind Formulierungen für Industriegetriebeöle, Marine-Schmierstoffe, hochviskose Industrieöle und bestimmte Fette.

EINKAUF GROUP I: Nicht überlagern, aber Versorgung kritischer Spezialqualitäten absichern.

Warum Raffinerien weniger Basisöl produzieren

Raffinerien können ihre Ausbeute innerhalb technischer Grenzen zwischen Basisöl- und Gasöl-/Dieselströmen verschieben. Bei hohen Dieselmargen wird die Produktion zugunsten von Diesel optimiert. Marktteilnehmer schätzten den möglichen Ausbeuteeffekt im betrachteten Umfeld auf ungefähr 20 %. Dadurch kann Basisöl knapp bleiben, selbst wenn Rohölpreise allein keine Verknappung erwarten liessen.

Group II: Der derzeit interessanteste Marktbereich

Group II war im europäischen Markt deutlich besser verfügbar als Group III. Importmengen aus den USA trugen wesentlich zur Stabilisierung bei. Für viele Marktteilnehmer ergibt sich daraus aktuell das beste Verhältnis aus Preis, Qualität und Lieferfähigkeit – vorausgesetzt, die jeweilige Formulierung und Freigabesituation erlaubt den Einsatz.

Teilweiser Ersatz von Group III

Aufgrund der hohen Preise und knappen Verfügbarkeit von Group III prüfen Schmierstoffhersteller, ob sich ausgewählte Formulierungen technisch auf Group II plus geeignete VI-Verbesserer und Additivsysteme umstellen lassen. Eine solche Reformulierung ist nur dort sinnvoll, wo Leistungsanforderungen, Prüfwerte, BOI-/VGRA-Regeln und gegebenenfalls OEM-Vorgaben vollständig eingehalten werden.

Anwendungsbereich

Potenzial Group II

Zu prüfen

Hydrauliköle

hoch

Viskositätsindex, Oxidationsstabilität, Freigaben

Industrieöle

hoch

Alterungsreserve und Additivverträglichkeit

Getriebeöle

mittel

Lasttragevermögen und Tieftemperaturverhalten

einfache Motorenöle

mittel

ACEA/API/OEM-Datenlage

moderne Low-SAPS-Motorenöle

begrenzt

freigegebene Basisöl-Slates und Austauschregeln

Einkaufsansatz für Marktteilnehmer

EINKAUF GROUP II:  Aktiv vergleichen und verhandeln. Group II ist derzeit der beste Bereich für kontrollierte Einkaufschancen.

Group III: Das zentrale Versorgungsrisiko

Europa verfügt nur über begrenzte eigene Group-III-Kapazitäten und ist stark von Importen aus dem Mittleren Osten und aus Asien abhängig. Genau diese Lieferströme waren 2026 gestört. Viele europäische Kunden wurden seit April/Mai auf Allocation gesetzt: Der Hersteller liefert nur einen festgelegten Anteil des normalen Bedarfs; zusätzliche Mengen sind nicht oder nur zu deutlich höheren Preisen erhältlich.

Preiserhöhungen trotz Sommerflaute

Ende Juli wurden für die üblichen Viskositäten 4 cSt, 6 cSt und 8 cSt zusätzliche Erhöhungen von ungefähr EUR 50 bis EUR 100 je Tonne gemeldet. Ursache war weniger eine sprunghaft wachsende Nachfrage als die physische Knappheit. Damit können Preise selbst bei saisonal schwächeren Abrufen steigen.

Group-III-Qualität

Marktsignal

Empfohlene Branchenmassnahme

4 cSt

sehr knapp; hohe Relevanz für moderne Motorenöle

Bedarf bis Jahresende vertraglich absichern

6 cSt

sehr knapp; breiter Formulierungseinsatz

Sicherheitsbestand und Zweitquelle prüfen

8 cSt

knapp; geringere Marktbreite

verbrauchsbezogen disponieren

Group III+

höchstes Risiko

höchste Priorität bei Lieferzusagen

Hauptursachen der Knappheit

RISIKOKETTE:  Weniger Importe + längere Transportwege + europäische Wartungen = doppelte Belastung der Group-III-Versorgung.

Regionale Markteinordnung

Region / Gruppe

Juli/August 2026

Kurzfristige Erwartung

Europa Group I

stabil bis leicht schwächer

eher seitwärts

Europa Group II

stabil

gute Versorgung

Europa Group III

stark bis fester

weiter knapp

USA Group I

relativ stabil

wenig Spotmengen

USA Group II

relativ stabil

Exporte nach Europa wichtig

USA Group III

knapp

erhöhtes Preisrisiko

Asien Group I

eher schwächer

Nachfrage gedämpft

Asien Group II

teilweise schwächer

Exportdruck möglich

Asien Group III

knapp

stark qualitäts- und regionsabhängig

Europa

Die Kombination aus Importabhängigkeit und Wartungsstillständen verschärft vor allem die Group-III-Lage. Nach der Sommerpause kann Restocking zusätzlichen Druck erzeugen. Group I und II bleiben im Vergleich berechenbarer.

USA

Die USA verfügen über erhebliche Group-II-Kapazitäten. Lieferungen nach Europa stabilisierten den Markt. Gleichzeitig wurden Vertragskunden bevorzugt bedient, während Spotmengen begrenzt blieben.

Asien

Asien konnte die europäische Group-III-Knappheit nicht vollständig ausgleichen. Neue chinesische CTL-Kapazitäten erhöhen zwar das Angebot, ihre Produkte sind jedoch nicht automatisch mit etablierten Group-III-Basisölen austauschbar. Qualität, Freigabestatus und Formulierungsregeln müssen einzeln geprüft werden.

OEM-Freigaben und Basisölaustausch

Bei modernen Motorenölen gilt nicht: „Group III ist Group III.“ Ein Produkt kann analytisch die Kriterien der Basisölgruppe erfüllen und dennoch nicht Bestandteil der zugrunde liegenden ATIEL-, API- oder OEM-Formulierung sein. Für Spezifikationen und Freigaben von Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW, Porsche, MAN, Volvo sowie für API- und ACEA-Leistungsniveaus können festgelegte Basisöl-Slates und Austauschregeln gelten.

Ein preislich attraktives chinesisches oder alternatives Group-III-Basisöl darf daher nicht allein anhand von Viskosität, VI und Noack-Wert als gleichwertiger Ersatz angenommen werden. Vor einem Wechsel sind mindestens Freigabedokumentation, Additivpaket-Kompatibilität, Base Oil Interchange (BOI), Viscosity Grade Read-Across (VGRA) sowie relevante Prüf- und Felddaten zu klären.

TECHNISCHE LEITLINIE:  Keine Rohstoffsubstitution in OEM-relevanten Motorenölen ohne dokumentierte Formulierungsfreigabe und Prüfung der anwendbaren Austauschregeln.

Warum Rohöl den Basisölpreis nicht allein erklärt

Grafik 2: Die wichtigsten Preis- und Verfügbarkeitstreiber des Basisölmarkts 2026.

Die frühere Faustregel „Rohöl steigt oder fällt – Basisöl folgt“ ist im aktuellen Markt nur eingeschränkt belastbar. Neben Rohöl und Gasöl bestimmen tatsächliche Verfügbarkeit, Raffinerieauslastung, Dieselmargen, Frachtkosten, Versicherungen, geopolitische Risiken und Wartungsstillstände die Preisrichtung.

Konkrete Einkaufsstrategie für die Branche

Basisöl

Ampel

Empfehlung

SN150 Group I

GELB

normal einkaufen; Preisfenster nutzen

SN500 Group I

GELB

normal einkaufen; schwere Qualitäten beobachten

Bright Stock

ORANGE

Versorgung und Zweitquelle absichern

Group II N150

GRÜN

Markt vergleichen; Kaufchancen nutzen

Group II N220

GRÜN

aktiv verhandeln

Group II N600

GRÜN / GELB

bedarfsgerecht und gestaffelt einkaufen

Group III 4 cSt

ROT

Versorgung sofort absichern

Group III 6 cSt

ROT

Sicherheitsbestand und feste Mengen

Group III 8 cSt

ROT

Liefertermine eng überwachen

Group III+

DUNKELROT

höchste Priorität

Empfohlener Zeithorizont September bis Dezember 2026

Entscheidungskriterien je Bestellung

Kriterium

Prüffrage

Technische Eignung

Ist die Qualität für die konkrete Formulierung dokumentiert zulässig?

Verfügbarkeit

Ist die Menge verbindlich bestätigt oder nur indikativ angeboten?

Lieferzeit

Sind Route, Tanker/Fracht und Wartungsrisiken berücksichtigt?

Gesamtkosten

Sind Fracht, Versicherung, Finanzierung und Lagerkosten enthalten?

Versorgungssicherheit

Bestehen Zweitquelle, Sicherheitsbestand und Eskalationsplan?

Fazit

Der Basisölmarkt 2026 ist klar segmentiert. Group I hat sich etwas beruhigt, Group II bietet für viele industrielle Anwendungen attraktive Einkaufs- und Verhandlungsmöglichkeiten, während Group III und Group III+ strukturell knapp bleiben. Für die Schmierstoffbranche ist deshalb ein differenziertes Vorgehen wirtschaftlich sinnvoller als eine einheitliche Einkaufsstrategie über alle Basisölgruppen.

Bei Group I und insbesondere Group II können Preise aktiv verglichen und Kaufzeitpunkte optimiert werden. Bei Group III ist dagegen die gesicherte, formulierungstechnisch zulässige Versorgung wichtiger als eine mögliche kurzfristige Einsparung von wenigen Euro je Tonne. Jede Substitution muss die Freigabe- und Validierungsanforderungen moderner Motorenöle berücksichtigen.

SCHLUSSFOLGERUNG:  Group I normal disponieren, Group II als Einkaufschance nutzen und Group III konsequent absichern.